FEEDING FEARS

Feeding Fears
A Barrel of Monkeys, West-Off Festival 2015 (DE)
in coproduction with WEST OFF festival, Theater im Ballsaal Bonn, Flottmannhallen
at FFT Düsseldorf, Studiobühne Köln, TheaterimBallsaal Bonn, Flottmannhallen Herne
Trailer: https://vimeo.com/156170558

Presseecho: Feeding Fears Im FFT Düsseldorf 2015

„Im Folgenden gelingt es den beiden Performerinnen Clara Groeger und Sabeth Dannenberg durch einen überzeugenden Einklang von Tanz, Artistik und Reflexion, das Theater zum Erlebnisraum werden zu lassen. Sie wagen es, Themen der Zeit wie Identitätssuche, Vereinsamung, Aufeinander- Angewiesen-Sein, Ratlosigkeit und Vertrauen körperlich glaubhaft zu gestalten. Der narrative Teil bringt Reflexionen zu Diskriminierung und „rassistischer Markierung“, zu Weißsein als Privileg
(Critical Whiteness). Dabei wirken die beiden trotz der Theorielastigkeit nachdenklich und sympathisch authentisch. Immer wieder wenden sie sich mit unverkrampfter Selbstverständlichkeit direkt ans Publikum, als suchten sie das Gespräch und schaffen dadurch eine Atmosphäre engagierter Vertrautheit.”

Quelle: http://theaterpur.net/theater/schauspiel/2015/11/fft-west-off-2015.html

“ Da wird aufgezählt, was sie vermeintlich ausmacht: Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, sexuelle Orientierung, Krankenversicherung, Rentenvorsorge. Konstruiert, aber auch gleich wieder infrage gestellt wird damit das Bild vom modernen Menschen. Foucault hätte seine Freude gehabt. Eines wird klar, und das nicht nur durch den Titel der Arbeit: Dieser moderne Mensch hat Angst. Wovor genau, wird in den selbst verfassten, kreativen, politisch interessanten und wunderbar fragmentierten Sätzen nicht genannt, aber gezeigt: Die beiden springen an Stangen hoch – teilweise vergeblich. Sie fallen herunter, kämpfen. Wie sie sich in die Arme fallen, hochheben, herumwerfen, ist gleichzeitig ein Mit- wie auch ein Gegeneinander. Das Potential zum Kampf ist allgegenwärtig. Das passt zum Text, aber auch zum ambitionierten, schwierigen Thema.“

Während Clara sich dem Publikum zuwendet und Monologe über „Critical Whiteness“ und Heteronormativität hält, tanzt Sabeth parallel dazu im Hintergrund auf einer zusammengebauten, gefährlich instabil wirkenden Inselkonstruktion. Ihr sexualisierter Tanz versinnbildlicht Claras Aussagen, konterkariert sie aber gleichzeitig. Er ist außerdem Ausdruck eines Rückzugs ins Innere, der einer Konfrontation mit den ohnehin schier unlösbaren Problemen der Welt aus dem Weg geht. Doch damit ändert sich nichts an den bestehenden Verhältnissen. Die Angst, mit der wir „gefüttert“
werden, resultiert scheinbar aus dem Wissen um dieses prekäre Gefüge, in dem das Glück einiger weniger auf dem Nachteil anderer beruht, die aus dem Raster der hegemonialen Norm herausfallen. Besonders interessant wird dieser Gedanke, wenn die beiden Performerinnen auf den Ursprung dieser Ungleichheit hinweisen und verdeutlichen, dass wir einem Imperativ zum Glücklichsein folgen, der letztlich nicht das Miteinander und die Begegnung beabsichtigt, sondern den gleichzeitigen, egoistischen Ausschluss anderer. Lässt sich Glücklichsein überhaupt mit Solidarität verbinden? Das durchweg in seiner Schlichtheit überzeugende Bühnenbild, das stets auch als Kampfmittel, als rettende Insel oder aber auch als Gegner im gemeinsamen Kampf diente, wird für ein Abschlussbild auf neue Weise zusammengefügt: Mit seinen drei auseinanderragenden Bändern weckt es Assoziationen an die geschmückten Bäume der Mittsommernachtsfeste. Clara und Sabeth lassen sich auf einen Vertrauenstest ein: Mit geschlossenen Augen klettern sie dieses Symbol der Einigkeit und des kollektiven Erschaffungswillens nach oben, um sich fallen zu lassen, die Beine und Arme mit dem jeweils anderen Körper verschränkt. Kurz vor dem Boden geht das Licht aus. Einen Aufprall hören wir nicht – sie haben sich halten können.”

Quelle: https://literaturundfeuilleton.wordpress.com/2015/11/21/fft-duesseldorf-west-off-2015/

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Feeding fears performance from Filip Jacobson on Vimeo.

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